Wandern

Mystisches Franken: Wanderung bei Altdorf

Abwechslungsreich und angenehm zu laufen ist die ca. 5 Kilometer lange Rundwanderung bei Altdorf in Mittelfranken. Rund 25 Kilometer von der Frankenmetropole Nürnberg entfernt erwarten einen mit Löwengrube, Sophienquelle und Teufelskirche geradezu wildromantische Plätze.

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Von der Löwengrube zur Teufelskirche, © Lisa K. Schuermann

Es gibt Wanderungen, die sind bei Regen nicht lohnenswert oder gar gefährlich. Andere Touren hingegen gewinnen bei vermeintlich „schlechtem Wetter“ erst das „gewisse Etwas“. Dazu gehört definitiv eine der zahlreichen Rundwanderungen rund um Altdorf. Die Runde mit Start und Ziel in dem ehemaligen Universitätsstädtchen bietet bei Regen teils schützenden Wald und ein paar geschichtsträchtige, sagenumwobene Orte.

Geschichte und Natur: Die Löwengrube

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Felsenbogenhöhle an der Löwengrube, © Lisa K. Schuermann

Wir parken unser Auto beim Mühlweg im südlichen Altdorf und unterqueren nach ein paar Metern die A3. Vorbei an weiten Wiesen geht es in den Wald. An einer scharfen Wegkurve am sogenannten Bierkeller geht der Weg zur Löwengrube nach links ab.

Nach wenigen Minuten sind wir an einem Felsendurchbruch. Hier heißt es: Kopf einziehen und hindurch! Durch die Felsenbögen der Höhle fällt Licht ein, was für eine mystische Stimmung sorgt. Kaum vorstellbar, dass hier einst gekegelt wurde.

Wo einst Studenten feierten …

Überhaupt hat er eine bewegte Vergangenheit, der gesamte ehemalige Steinbruch, aus dessen Gestein im 16. Jahrhundert die Universität Altdorf erbaut wurde. Ende des 17. Jahrhunderts erschloss ein Team um Baron Friedrich Gottlieb von Löwenstein, den Namensgeber der Höhle, den Steinbruch. Der errichtete Festplatz war Ort für zahlreiche Feste von Studenten der nahe gelegenen Universität. Nachdem die Universität Altdorf Anfang des 19. Jahrhunderts geschlossen worden war, wurde die große Höhle am Steinbruch als Bierkeller genutzt; die Felsenbogenhöhle als Kegelbahn.

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Vor dem ehemaligen Felsenkeller, © Lisa K. Schuermann

Durchs Schwarzachtal

Wir wagen uns in die große Höhle vor. Unverzichtbares Accessoire ist dabei eine Taschenlampe. Nach der ersten Biegung wird es pechschwarz vor Augen, da kein Tageslicht mehr einfällt. Dann geht es zurück zur asphaltierten Straße und den Weg weiter, bergab gen Prethalmühle, ins Schwarzachtal.

Oberhalb der Jugendtagsstätte Prackenfels führt uns der Weg vorbei an Obstbäumen und hohem Springkraut. Nach einem weiteren Stück durch den Wald überqueren wir die Landstraße, gehen dann jedoch  nicht hinein nach Grünsberg. Stattdessen laufen wir einige hundert Meter südlich in das Waldstück zur Sophienquelle.

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Die Sophienquelle bei Altdorf, © Lisa K. Schuermann

Wasserspiele an der Sophienquelle

Direkt am Weg, auf einer Lichtung, erblicken wir die Sophienquelle. Sie ist eine der größten barocken Quellfassungen nördlich der Alpen. Anfang des 18. Jahrhunderts nach italienischem Vorbild erbaut, ist sie heutzutage als Geotop ausgewiesen. Wir machen einen Rundgang über die Treppen und schauen dem Wasser zu, das aus der steilen Felswand sprudelt und sich seinen Weg in den umzäunten Teich bahnt.

Grünsberger Schloss

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Das Grünsberger Schloss, © Lisa K. Schuermann

Zurück an der Straße erreichen wir am Eingang des gleichnamigen Ortes das Grünsberger Schloss. Die Burganlage wurde 13. Jahrhundert erbaut und bietet einen imposanten Einblick. Mehr als einen kurzen Blick erhaschen wir leider nicht, denn der Regen wird stärker. Das gegenüberliegende Wirtshaus bietet durchschnittliche Speisen, aber vor allem ein warmes und trockenes Plätzchen.

Tief im Wald … die Teufelskirche

Die nächste Herausforderung wartet schon: Direkt vor der scharfen Kurve muss von Seiten des Wirtshauses aus die Straße gewechselt werden. Keine leichte Aufgabe, denn die Straße ist kaum einsehbar. Autos rasen den Berg hinunter. Unversehrt gegenüber angekommen, geht es gleich wieder in den Wald.

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Pilze in der Schlucht, © Lisa K. Schuermann

Für den Weg durch die kleine waldige Schlucht empfiehlt sich festes Schuhwerk. Es geht im wahrsten Sinne des Wortes „über Stock und Stein“. Die von Sandsteinfelsen umschlossene Schlucht wird auch bei schönem Wetter nur von wenigen Sonnenstrahlen erreicht. Entsprechend wuchern hier Farne, bewachsen Moose die alten Bäume und schießen Pilze aus dem Boden. Ein kleines Bächlein schlängelt sich durch das Tal, um später in der Schwarzach zu enden. Am Ende öffnet sich die Schlucht. Ein kleiner Wasserfall tröpfelt die imposanten Felsen hinunter.

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Wasserfall an der Teufelskirche, © Lisa K. Schuermann

Legendenumwoben

Der Name Teufelskirche soll übrigens auf eine alte Sage zurückgehen. Diese besagt, dass sich eben hier der Boden auftat und der Teufel mit einem verunglückten Jäger zur Hölle hinab fuhr. Der Arme hatte sich zuvor trotz Verbotes durch den Kaplan am heiligen Karfreitag auf die Jagd begeben.

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Blick auf Altdorf, © Lisa K. Schuermann

Wir verlassen über den Steig die Schlucht und folgen nun dem Wanderweg 4 hinaus aus dem Wald über einen Feldweg mit Blick auf Altdorf. Auf der Pracksenfelser Straße erreichen wir Altdorf. Mitten im Gewerbegebiet kommen wir an und erleben damit einen ganz schönen Kontrast zur Natur, die uns die zwei Stunden zuvor begleitet hat.

Fazit: Quasi keine Höhenmeter, aber abwechslungsreiche Natur und viele Geschichten und Legenden erwarten Wanderer auf dieser Tour.

Reisezeit: Anfang September

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